Javascript muss für diese Website aktiviert sein!
PRINTVERSION

VI Übergang in andere Therapieformen

 

Im Laufe der Substitutionsbehandlung entwickeln viele PatientInnen den Wunsch, die Behandlung zu beenden bzw. zu verändern. Das Leben „danach“ gestaltet sich unterschiedlich.

 

Therapieformen

 

Die PatientInnen können im Zuge der ambulanten Substitutionserhaltungstherapie in der Vorbereitung zum Ausstieg/zur Veränderung unterstützt werden. Zunächst gilt es, mit den PatientInnen die Ziele herauszuarbeiten und zu reflektieren. Vor allem sollten Alternativpläne im Falle des Scheiterns eines vorgenommenen Szenarios erstellt werden.

 

Erfahrungsgemäß haben körperliche Entzüge (ob nun stationär oder ambulant) ohne anschließende weitere Behandlung wenig Nachhaltigkeit. Es sind aber auch Beispiele bekannt, wo dies durchaus funktionieren kann. Das Vorhandensein eines stabilen sozialen Umfeldes, gute körperliche und psychische Gesundheit sowie eine geregelte Erwerbstätigkeit können für eine Abstinenz – auch ohne weitere Betreuung – ausschlaggebend sein.

 

In den meisten Fällen sollte aber von Seiten der BeraterInnen und SubstitutionsärztInnen motivierend auf eine Weiterbetreuung hingewirkt werden. Je multimorbider die PatientInnen sind und je länger sie sich bereits in der Drogenszene bewegen, umso strukturierter und spezifischer sollte die Weiterbehandlung sein.

 

Der ambulante Opioidentzug erstreckt sich meist über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten. Das Substitutionsmedikament wird schrittweise reduziert. Zwischen den einzelnen Reduktionsschritten sollten immer einige Tage bzw. Wochen zur Stabilisierung eingeplant werden. Entzugserscheinungen werden mittels Zusatzmedikation behandelt. Der Einsatz von Benzodiazepinen ist hierbei besonders kritisch zu hinterfragen. Der ambulante Benzodiazepinentzug wird mittels schrittweiser Reduktion unter anfallsprophylaktischer Zusatzmedikation vollzogen. Eine begleitende psychosoziale Betreuung kann zur Aufrechterhaltung der Motivation beitragen.

 

Treten während der Entzugsbehandlung längere Stagnationen auf oder kommt es zu Rückfällen bzw. zu zunehmendem Beikonsum, ist mit den PatientInnen über eine Alternative zu sprechen.

 

Die stationäre Entzugsbehandlung wird in der Steiermark ausschließlich in der Drogentherapiestation „Walkabout“ durchgeführt. Vor Antritt einer stationären Entzugsbehandlung kann die Wartezeit bereits zur ambulanten Reduktion des Substitutionsmedikamentes genutzt werden. So können die PatientInnen mit einer niedrigen Dosis in die stationäre Entzugsbehandlung einsteigen.

 

Ultrakurzentzugsbehandlungen in Narkose gelten als bedenklich. Zum einen, um die PatientInnen nicht wiederholten erfolglosen Versuchen auszusetzen, zum anderen scheint vor allem bei sehr kurz dauernden Detoxifizierungsbehandlungen eine erhöhte Gefahr einer tödlichen Intoxikation zu bestehen (vgl. Fischer & Kayer, 2006).

 

In allen oben dargestellten Möglichkeiten können Rückfälle oder Therapieabbrüche aus unterschiedlichen Gründen einen Weg zurück in die Substitution bedeuten. Über die Besonderheiten bei der Substitutionsbehandlung nach Therapieabbrüchen wird im Kapitel „TherapieabbrecherInnen“ eingegangen.