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VII Ausblick

 

Die Substitutionsbehandlung in der Steiermark hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und verändert. Einfluss genommen haben ein stetig größer werdender Zustrom von noch nicht behandelten PatientInnen, Veränderungen der Konsumgewohnheiten und Substanzen sowie strukturelle Neuerungen.

 

Mit der Implementierung des Projektes I.K.A. (Interdisziplinäre Kontakt- und Anlaufstelle, Graz) und dem Aufbau der Suchtmedizinischen-/Substitutionsambulanz im LKH Bruck/Mur werden die Versorgungsstrukturen ausgeweitet. In der Behandlung von SubstitutionspatientInnen im niedergelassenen Bereich sind dennoch Lücken zu verzeichnen. Vor allem in den steirischen Regionen kann noch lange nicht von einer flächendeckenden Behandlung bei Opiatabhängigkeit gesprochen werden. Mehrere Bezirke haben keine/n oder nur eine/einen/ Ärztin/Arzt zur Verfügung. In Graz verteilt sich die Anzahl der PatientInnen unverhältnismäßig: Einige wenige ÄrztInnen bzw. Einrichtungen betreuen den Großteil der PatientInnen. Die Anzahl der ÄrztInnen mit Substitutionsdiplom wird eher kleiner als größer. Die nötige Weiterbildung und der damit verbundene Zeitaufwand werden kritisch hinterfragt.

 

Die Möglichkeit, die Weiterbildung laut „Weiterbildungsverordnung orale Substitution“ in der Steiermark absolvieren zu können, könnte Abhilfe schaffen. Für niedergelassene ÄrztInnen, die nach der Weiterbildung in die Substitutionsbehandlung einsteigen wollen, könnte anfangs ein regelmäßiger Austausch mit erfahrenen KollegInnen bereichernde Einsichten bringen. Im Idealfall entwickeln sich in Zukunft mehrere kombinierte Angebote wie in Ambulanzen oder Praxisgemeinschaften, in denen ÄrztInnen und andere Professionen gemeinsam behandeln. Das Bild des „Einzelkämpfers“ in der Substitutionsbehandlung muss überdacht werden. Dazu Prof. Springer (2010): „Die Vielfalt der Bedingungen der Suchtkrankheit, die vielen Gestalten, in denen sie in Erscheinung tritt und die Vielschichtigkeit der Problemlagen der Menschen, die an Suchterkrankungen leiden, erfordert eine äußerst komplexe gesellschaftliche Antwort. Für eine wirksame Suchthilfe besteht die Herausforderung, dass verschiedene AkteurInnen aus verschiedenen professionellen Feldern miteinander kooperieren müssen, um eine möglichst effiziente Leistung erbringen zu können.“

 

Der Einsatz der vorliegenden „Checkliste Substitution“ kann helfen, Fragen zu klären und Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen.

 

Der erhöhte Betreuungsaufwand von SubstitutionspatientInnen lässt sich im allgemeinen Praxisalltag schwer integrieren. Es wird berichtet, dass die Anzahl anderer – nicht drogenabhängiger – PatientInnen mit steigender Zahl der SubstitutionspatientInnen in einer Allgemeinpraxis abnimmt. In ExpertInnenkreisen wird zu diesem Thema über eine Beschränkung der PatientInnenzahl und über eine entsprechende Honorierung diskutiert.

 

ANMERKUNG:

Nicht nur im direkten ärztlich-medizinischen Bereich bedarf es in Zukunft einen Ausbau an Versorgung. Prof. Kurz, Primarius im Zentrum für Suchtmedizin LSF sieht in folgenden Punkten die Notwendigkeit zur Ausweitung der bestehenden Strukturen:1

 

  • Beratungs- und Nachsorgeeinrichtungen mit erleichtertem Zugang
  • Aufsuchende extramurale/ambulante Begleitung und Nachsorge
  • Akzeptierende Begleitung, Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeiten („alte“ Suchtkranke, CMA, ...)
  • Konsiliar-/Liaisondienste im allgemeinen Krankenhaus
  • Stationen zur qualifizierten Entzugsbehandlung (ausreichend und schnell verfügbar)
  • Stationäre Schwerpunkteinrichtungen mit subgruppenspezifischen Behandlungsstrukturen und -strategien (Geschlecht, Alter, Comorbidität, Abstinenzfähigkeit, Grad der psychosozialen Behinderung)
  • Drogen–„Krisenstationen“

 

Die Suchtkrankenhilfe allgemein und die Substitutionsbehandlung im Speziellen unterliegen einer ständigen Veränderung. Gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Strömungen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse, liefern Input für die weiteren Diskussionen um „die beste Art“ der Behandlung. Damit bleibt ein reger professioneller Austausch gewährleistet, der – konstruktiv geführt – zur weiteren Verbesserung der Behandlung opiatabhängiger Menschen beitragen kann.